Teil 2

 

13. 14. 15. Mai Heraklion,

Auf der Suche nach einem GPS-Track für den E4

 

Als ich in meinem Hotel, wo ich meinen Koffer deponiert hatte, ein Zimmer buchen wollte, sagte der Manager, es sei alles belegt. Ich war konsterniert. Wo sollte ich bleiben? Für den nächsten Tag hätte er ein Zimmer frei, aber heute...

Da drängte ich ihn, mir irgendeine Notunterkunft zu geben, wenn es sein müsste auch auf dem Dach. Er zögerte, meinte, das habe er noch nie gemacht, man könne es ja probieren und schlug ein. Dann gab er mir Handtuch und Seife, zeigte mir das Bad im Haus, das ich benutzen könne und sagte nur noch: "Sei vorsichtig!" Ich war happy und errichtete bei Dämmerung mein Lager am Fahrstuhlhäuschen, wo der Ventilator stand.

 

So schaute ich auf die Straße hinunter, als ich 6 Uhr morgens aus dem Schlafsack stieg.

An diesem Tag beseelte mich nur noch ein Gedanke: Wie kann ich meine Kreta Route auf mein altes GPS bringen oder muss ich mir ein neues kaufen, um einen Track geladen zu bekommen.

Ich rannte von Pontius zu Pilatus, von einem Sportgeschäft zum anderen und auch zum Kreta Mountain Shop. Dort gab man mir die Adresse eines GPS-Händlers, der vielleicht Rat wüsste. Ich machte mich auf die Suche, fand aber seinen Laden nicht. Verzweifelt klopfte ich an eine Glastür, von der ich einsehen konnte, dass sie zu einem Sous-terrain-Büro führte und bat um Hilfe bei der Suche nach dem GPS-Laden.

Eine junge Dame war so freundlich und ging mit mir auf die Suche nach dem Laden. Als wir ihn fanden, war sie Zeugin, wie der GPS-Händler auf mein Anliegen hin nur mit den Schultern zuckte und mir sagte, dass er nicht helfen könne.

Das hörte die junge Frau und meint zu mir, sie könne sich vorstellen, dass das auch ihr Mann könne. Sie wolle ihn fragen, ich solle ihr meine Telefonnummer geben. Eine Stunde später holte sie mich mit ihrem Vater ab und wir fuhren zu ihrer Wohnung nach Hause. Elias, ihr Mann empfing uns freundlichst. Er war ein Computerspezialist und machte sich sofort an die Arbeit.

Wir kauften online eine Kretakarte von Garmin und er lud sie von seinem Computer auf mein GPS. Dann suchte er noch den E4-GPS-Track von Luca und lud auch diesen auf mein GPS. Es hatte 2 Stunden gedauert. Ich legte einen großen Schein auf den Tisch und sie luden mich noch zum Abendbrot ein. Ich war überglücklich. Nun konnte ich meine Tour fortsetzen.

Maria und Elias, die beiden freundlichen Kreter, die mir halfen den neuen E4-Track auf mein GPS zu bekommen.

Sie luden mich zum Abendbrot in ihrer großen Wohnung ein und ich erfuhr, dass sie beide Architekten waren.

Ein Blick aus ihrer schönen Wohnung auf einen markanten Berg und ...

zum Meer.

Ich plante umgehend meine Busfahrt nach Kato Assites, besuchte aber vorher noch die Malerausstellung in der venezianischen Logia.

 

Eine Schlucht und Wasser im Überfluss, ein kretischer Traum.

Kunst kann so schön sein, dachte ich bei mir.

Ich kaufte noch eine Thermarestmatte und fuhr gegen Mittag mit dem Bus nach Kato Assites.

 

Wanderung von Pano Assites nach Patsianos

Wandertage 8, Ruhetage 1

 

15. Mai, von Kato Assites bis zur Prinos Hütte

 

17 Uhr begann ich meinen Aufstieg von Pano Assites bis zur Prinos Hütte. Leider war das Wetter unfreundlich mit starkem Wind, Wolken und ein paar Regentropfen. Bis zur Prinos Refuge lagen 650 m steiler Anstieg vor mir. Ich wusste, dass die Prinos Hütte geschlossen war und konnte nur hoffen, einen sicheren Schlafplatz zu finden.

Anfangs war es ein moderater Anstieg mit interessanten Felsformationen.

Später wand sich der E4 auf steilem Pfad durch die Felsblöcke.

Ab und zu musste man auch die Hände zu Hilfe nehmen.

20 Uhr sah ich endlich die Prinos Hütte.

Es war eine tolle Berghütte mit herrlicher Sicht über Ostkreta und nach Heraklion, die aber leider verschlossen war.

Hier oben wehte ein scharfer, kalter Wind. Ich errichtete mein Schlaflager in dieser Nische und baute an der Stirnseite einen Windschutz aus Steinen auf.

Endlich kam auch meine Daunenjacke zum Einsatz.

Auf diese Weise warm angezogen, schaute ich mir von meiner Nische aus das kretische Land im Regen an.

Als es dunkelte, sah ich auf das Lichtermeer von Heraklion.

 

16. Mai Prinos Hütte nach Agios Joannis, Rouvas Schlucht

 

Trotz Wind und Regen hatte ich eine erholsame Nacht verbracht, ohne zu frieren.

5 Uhr morgens lag eine dichte Wolkendecke über dem Land.

6.30 Uhr brach ich auf. An der Quelle vorbei und dann gind es steil bergauf.

Ein deutlicher Pfad war nicht zu erkennen und auch die Markierungen lassen zu wünschen übrig. Dank des E4-Tracks auf meinem GPS konnte ich meinen Weg schnell korrigieren. Selbst nachträglich konnte ich mein Glück kaum fassen und dankte den Beiden noch tausendmal in Gedanken.

Ab und zu sah ich auf exponierten Anhöhen einen Metallpfahl mit E4-Raute.

10 Uhr kleine Frühstückspause an einer windgeschützten Stelle.

Mühsamer Aufstieg über die scharfen Kalksteine.

Kleiner Trost in der kargen Steinwüste.

Gegen heftigen Wind kämpfte ich mich langsam in einer kargen Felslandschaft auf 1700 m Höhe.

Ab und zu gab es auch Klettereinlagen.

Gegen 12 Uhr erreichte ich die Passhöhe, wo ich mich noch einmal hinter einen Stein hockte, um vor dem Wind geschützt zu sein.

In der Ferne der noch gut mit Schnee bedeckte Psiloritis, Traumberg, den ich auf dieser Wanderung auf jeden Fall besteigen möchte.

Mit großer Vorsicht stieg ich in wildem Gelände in einer Verschneidung bergab. Vom Pfad keine Spur. Also Vorsicht und bloß nicht ausrutschen oder stürzen.

Dieser markante Stein zeigte das Ende des Abstiegs an.

Die Rouvas Schlucht und den Park um die Agias Joannis Kapelle kann man auf einem einfachen, aber ziemlich eintönigen Fahrweg erreichen.

Das ist die kleine Kapelle Agios Joannis am Beginn der Rouvas Schlucht.

Ein kleiner Spaziergang durch den angrenzenden Park mit vielen Platanen weckte in mir den Wunsch, hier eine Nacht zu verbringen.

Als ich die überdachte Sitzgruppe mit Tisch entdeckte, beschloss ich, die Nacht draußen zu verbringen, obwohl es hier sogar eine Notunterkunft gab.

 

17. Mai, durch die Rouvas Schlucht bis nach Kouroutes

 

Es war eine kalte Nacht, in der ich mir gewünscht hatte, eine Daunenhose mitgenommen zu haben.

Nach einem kleinen Frühstück mit trocken Brot , hartem Ziegenkäse und Wasser führte ich noch Tagebuch. 8 Uhr brach ich zur Rouvas Schlucht auf.

Der Einstieg in die Schlucht war malerisch. Ein kleiner Bach rieselte und plätscherte zwischen den Steinen im Tal der hier noch weit ausladenden Schlucht.

Doch schon bald verengte sich die Schlucht.

Hoher Fels erzwang schmale Durchbrüche. Ein Schweizer, der schon früh auf den Beinen war, fotografierte mich.

Eine feste Brücke mit starkem Geländer überwand die mit großen Felsbrocken verblockte Schlucht.

Hinter dem Brückensteg versiegte leider der Bach.

Knochentrockene Felsbrocken füllten das Bachbett. Hier wurde mir klar, dass eine Schlucht mit Wasser etwas sehr Belebendes und Schönes an sich hat.

Ab und zu klemmen sich riesige Steinkugeln zwischen den Wänden der Schlucht fest.

Hier sammelte sich wieder kostbares Wasser in der Schlucht und sorgt für frisches Grün.

Aber vor dem Austritt der Schlucht in die südliche Bergregion ...

... herrschte wieder Trockenheit und Dürre.

Hier, am See Votomos, der künstlich angelegt wurde, war es auch bei großer Mittagshitze angenehm kühl.

Auch wenn es hier sehr schön war, ich hielt mich nicht lange auf und wanderte weiter in Richtung des Klosters Vrontisi.

Diese orientalisch anmutende Kirche liegt am Ausgang der Rouvas Schlucht.

Den Eingang zum orthodoxen Kloster Vrontisi, eines der berühmtesten Klöster Kretas, schmücken zwei mächtige uralte Platanen.

Auf der linken Seite des Eingangs beeindruckte mich der Wasserreichtum eines dreifach spendenden Brunnens aus dem 15. Jahrhundert.

Adam und Eva schmückten in einem Relief den venezianische Brunnen, leider fehlten ihre Köpfe.

Als ich durch den Torbogen den Klosterhof betrat, empfing mich ehrwürdige Stille.

Inmitten des Platzes steht die zweischiffige Kapelle Agios Antonios.

Das orthodoxe Kloster, eines der ehemals reichsten Klosterzentren Kretas, wurde schon im 14. Jahrhundert gegründet.

Im Klosterhof beeindruckte mich ein Pfau, der mit gewaltigem Feder-Rad auf mich zu stolzierte.

Mein nächstes Ziel war Kamares. Von dort aus wollte ich zur Grotte und morgen auf den Psiloritis zu steigen.

Als ich mich Kamares näherte, sah ich in der Höhe Wolken, die den Einstieg auf das Ida Gebirge verbargen. Sofort kamen meine Erinnerung an die Besteigung des Dikti auf. Es war mir einfach zu gefährlich im Wolken-Nebel und möglichem Regen, vielleicht auch Schnee, zum Ida Gebirge hinauf zu steigen.

Also nahm ich erst mal einen kleinen Imbiss zu mir.

Meine Wetterbefürchtung bestätigte sich in der nächsten halben Stunde immer drastischer. Der Himmel wurde schwarz.

Nun hatte ich ein Problem! Es gab keine Busverbindung nach Kouroutes bzw. nach Fourfouras. Also entschloss ich mich schweren Herzens, einfach mal die Landstraße Richtung Kouroutes, ca. 13 km, weiter zu wandern. Es war erst 15 Uhr und zu früh schon in Kamares die Tour für heute zu beenden.

Mein Blick nach Süden zeigte mir, dass die Wolkendecke begann aufzureißen.

Je weiter ich westwärts kam, desto mehr lockerten sich die Wolken auf. Ich war voller Hoffnung, dass ich von Kouroutes aus den Psilorites sehen könnte. Vielleicht ergab sich da eine neue Möglichkeit auf den Psiloritis zu steigen.

Ein kleiner Ort, von dem ich hoffte ein Kafenion zu finden, wo ich eine kleine Abendmahlzeit zu mir nehmen könnte. Leider erfüllte sich mein Wunsch nicht.

Kurz vor Kouroutes lockerte sich die Bewölkung tatsächlich auf und ich konnte zumindest Teile des Psiloritis sehen. Aber für eine Besteigung war es zu spät.

Kurz hinter Kouroutes Richtung Fourfouras fand ich auf der Höhe einen Feldweg, wo ich mein Nachtlager unter freiem Himmel aufschlug.

 

18. 19. Mai, von Kouroutes nach Gerakari und Ruhetag

 

Es war eine wundervolle Nacht. Der Mond war riesengroß und das schweigende Land leuchtete im bleichen Schein.

In aller Frühe stand ich auf. Ich konnte mich von meinem herrlichen Schlafplatz kaum trennen und ließ mich längere Zeit von der Morgensonne wärmen.

Nach 3,5 km erreichte ich Fourfouras und sah mich sofort nach einem Kafenion um.

Endlich, ich fand ein kleines Restaurant. Voller Heißhunger stürzte ich mich auf das spontan bereitete Frühstück des Wirtes: 2 Spiegeleier, geschnittene Käsestücke, Brot, ein wenig Salat mit Oliven und ein Glas Eiskaffee.

In dieses Tal führte mich der E4 hinunter.

Auch hier musste ich wieder länger nach einer Stelle suchen, wo ich den Bach queren konnte. An solchen Orten hielt ich mein GPS besonders fest.

So langsam wurde es sehr warm und die Sonne brannte gnadenlos auf den E4 Wanderer.

Seltener Anblick: ein Schaf wurde auf der Straße geschächtet.

Ich legte den Rucksack ab und stieg auf den Glockenturm von Amari hinauf.

Als ich abends kurz vor Gerakari stand, da leuchteten mir diese Kirschen entgegen.

Vor Durst und Hunger hätte ich bald die Beherrschung verloren und wäre über den Zaun geklettert.

Kaum war ich in Gerakari, da lud mich Joost, ein Holländer ein, mich an seinen Tisch zu setzen. Wir unterhielten uns angeregt bei gutem Mythos-Bier über die Besteigung des Psiloritis.

 

Und er berichtete mir, dass er in diesem Jahr unbedingt den Psiloritis besteigen wolle.

 

Viel später erfuhr ich, dass er Ende Juni den Gipfel des Psiloritis erklommen hatte. Ich gratulierte ihm herzlich und war bestärkt, ebenso den Psiloritis zu besteigen.

 

Mein griechisches"Hotel".

Ich hatte ein großes Zimmer, das mit Küche und Bad und Balkon ausgestattet war. Wahrscheinlich die Privatwohnung der Familie.

Den nächsten Tag legte ich einen Ruhetag ein. Da hieß es, Wäsche waschen.

Ich spazierte in aller Ruhe durch Gerakari und genoss die sonntägliche Ruhe.

Ein toller Blick auf den Psiloritis.

 

20. Mai Gerakari zum Biwak Kapelle Timios Stavros

 

Eine Nacht, in der ein unerträglich heißer Wüstenwind, den Schlaf raubte.

Schon 6.30 Uhr war ich auf den Beinen. Graue Wolken bedeckten den Himmel und eine unnatürliche Wärme drückte das Land. Meine ersten Ziele waren Kissos und Spilli. Vielleicht traf ich sogar Joos, der ja heute nach Mixorouma wandern wollte.

 

Immer wieder genoss ich den Blick auf Felder und Weiden fruchtbarer Hochpateaus.

Ein Stück führte mich der Pfad am Rande des Kedros-Gebirges entlang.

Insgesamt war der E4 auf dieser Etappe schlecht markiert. Hier der Fahrweg nach Kissos.

An dieser Stelle biegt der E4 kaum sichtbar und unmarkiert ins Gebüsch. Ich wusste, hier musste er sein, bin aber mindestens 2 mal an ihm vorbei gelaufen.

Als ich ihn dann doch gefunden hatte, machte ich in diesem schattigen Pinienwald eine längere Frühstückspause.

Kurz vor Spilli kam ein Ehepaar auf mich zu und sagten mir erfreut, dass sie mich schon vor einiger Zeit auf der Landstraße gesehen hätten und fragten mich nach dem Ziel meiner Wanderung. Ich erzählte von meiner kretischen Wanderung.

Zum Schluss gab ich ihnen meine HP-Adresse und nun hoffe ich, dass sie den Weg in meine HP gefunden haben und sich erfreut wiederfinden.

Spilli ist ein quirrliger Touristenort, in dem es viele schöne Platanen gibt. Hier nahm ich einen kleinen Imbiß zu mir.

Links die Kirche Peter und Paul. Die gesamte Anlage ist Bischofssitz mit angeschlossenem Priesterseminar des Metropoliten von Skafia.

Ich wanderte von Spilli gleich weiter nach Mixorouma und bog von dort ab nach Koxare.

Kurz vor Koxare musste ich wieder mal einen Bach queren, erfahrungsgemäß kein leichtes Unterfangen.

Nach der Bachüberquerung war vom E4 rein gar nichts zu sehen, weder ein Pfad, noch eine Markierung. Nach aufmerksamer Suche fand ich schließlich auf dieser Wiese eine Tritt-Spur. Zweifelsohne, hier war jemand vor nicht zu langer Zeit über die Wiese gelaufen. Später erfuhr ich, dass es Joos gewesen war.

Eigentlich hätte ich nach Angaben meines Wander-Führers nach Kanevos laufen müssen. Aber ich nahm den Weg über die Landstraße von Agouseliana Richtung Argiroupoli und sparte mir dadurch mindestens 10 km ein.

Auf der Anhöhe sah ich eine kleine Kapelle abseits der Straße auf einem kleinen Landvorsprung. Da es schon auf 20 Uhr zu ging, stieg ich zu der kleinen Kirche hinab, in der Hoffnung hier eine Quelle oder vielleicht sogar ein Plätzchen für die Nacht zu finden.

Als erstes stellte ich fest, dass der Steinsims für ein Nachtlager breit genug war.

Doch zu meiner ganz großen Freude über diese gesegnete Stelle, gab es auch noch diesen Quellbrunnen. Klar, hier blieb ich.

 

21. Mai, Kapelle Timios Stavros nach Arghiroupoli

Eine gute Nacht verbracht und 6.30 Uhr aufgebrochen. Zügig auf der Landstaße bis zur Passhöhe gelaufen und links auf den E4 eingebogen.

Auf einem Feldweg ging es weiter nach Moundriou.

Der E4 schlängelte sich durch einen Wald im frischen Frühlingsgrün. Leider war er kaum mit E4 Zeichen markiert.

Eine vorsichtige Schafesherde wich mir aus und beobachtete mich genau.

Schmale Gassen in dem Bergdorf Moundriou

Dieser Wirt hat mich auf Kosten des Hauses zum Essen eingeladen. Nochmals vielen Dank!

Auf gutem Weg stieg ich ins Tal hinab.

 

Einsamer Frühlingsblüher!

 

Der Pfad wurde steinig und steil. Wegen der fehlenden Markierung war ich unsicher, ob ich noch auf dem E4 war.

Mal wieder eine Bachüberquerung!

Das verlassene und mittlerweile verfallende Dorf Nisi.

Dieser steinige Weg stimmte mit meinem GPS-Track nicht überein und ich konnte nur hoffen, dass er mich auch nach Argiroupoli bringen würde. Der E4 blieb verschwunden.

Eine letzte Anhöhe, ...

... dann schaute ich auf das Bergdorf Agripoli hinab.

Ich quartierte mich in einem Haus mit großem Balkon in höchster Hanglage ein.

 

22. Mai Argiroupoli bis Küste Kapelle Patsianos

Meine Vermieterin schenkte mir noch spät am Abend einen Quarkfladen mit einem Töpfchen Honig. Ich schlief mit dem Gefühl ein, im Haus einen Schatz zu bergen. 5 Uhr morgens stand ich auf und machte mich über den Quarkfladen her. Ein würziger Berghonig, der noch immer nach Oregano roch und ein vollmundiger Fladen. Eine bessere Grundlage für den heutigen Tag konnte ich mir kaum denken. 6 Uhr startete ich und wanderte langsam ins Tal hinab. Mein Ziel für heute war Kalikrates.

Ob dies der E4 ist kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber er führt mich durch dunklen Wald steil bergab zur Landstraße nach Asi Gonia.

Fast unten im Tal stieß ich auf ein Freizeitparadies mit Wasserkaskaden, Fischschwimmbecken und Springbrunnen.

Ich folgte der Landstraße an einem Bachlauf entlang bis zu dieser kleinen Kapelle. Hier konnte man ungestört eine längere Rast einlegen, denn es gab eine sprudelnde Quelle und eine feine Toilette.

Statt dem E4 auf der Straße zu folgen, machte ich mir das Vergnügen, in dem danebenliegenden Bachbett zu laufen. Da ich befürchtete, dass mich der vorgeschlagene Wanderweg durch die Berge zuviel Zeit kosten könnte, nahm ich letztlich die Landstraße nach Asi Gonia.

Dort ging ich gleich in ein Kafenion um ein 2. Frühstück zu mir zu nehmen. Der Wirt war sehr an meiner Wandertour interessiert. Auf seine vielen Fragen hin holte ich meine Übersichtskarte heraus und dann diskutierte er mit einem neugierig gewordenen Gast meine Route durch Kreta.

Geduldig hörte ich mir die Vorschläge an, die die beiden zum weiteren Verlauf meiner Tour machten. Die Abkürzung hinter Asi Gonia sollte ich nicht nehmen, weil das zu steil mit Rucksack sei, meinten sie.

Der Hinweis hakte sich bei mir sofort fest und so zog ich ernsthaft in Betracht auf den Serpentinen der Landstraße zum Pass zu wandern.

Rauchschwaden aus dem Schornstein einer kleinen Fabrik. Ich konnte mir nicht erklären was man hier produzierte, bis ich erfuhr, dass es eine Käserei war.

In unglaublicher Hitze marschierte ich "stundenlang" die Serpentien zum Pass hiauf. Der Weg nahm schier kein Ende, aber ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass die Abkürzung bei sengender Sonne wohl noch viel unerträglicher sein würde.

Fast oben auf dem Pass räkelte sich eine K-Eiche am Hang fast bis zur Straße hoch.

Hier endlich, in der Nähe einer Quelle fand ich ein Schattenplätzchen und machte eine ausgiebige Pause.

Ein Bild auf der Passhöhe. Diese Straße musste ich jetzt ins Tal hinunter. Die Luft flimmerte in der Hitze.

In Kalikrates hatte ich ein trockenes Tal erwartet, doch es war grün wie im Garten Eden.

Ein Kafenion, dass sich über beide Straßenseiten erstreckte. Ich war der einzige Gast.

Meinen großen Hunger konnte ich hier nur mit einem griechischen Salat und einer eiskalte Cola besänftigen.

Also ging ich auch noch in das zweite Kafenion. Die Wirtin klärte mich gleich auf, dass sie Janina hieße und im Touren Guide von Luca namentlich erwähnt wurde. Sie sei es gewesen, die Luca damals eine Unterkunft geboten habe, wo der sonst nichts gefunden hätte. Seitdem arbeite sie mit ihm eng zusammen und sei über Tipps zum E4 dankbar.

Ich bestellte bei ihr einen frisch gepressten Orangensaft. Um es gleich zu sagen, der Saft war ein Gedicht. Kühl, aber nicht kalt, hatte sie wohl die besten Orangen Kretas gepresst.

Leider konnte sie mir keine Herberge geben und so war ich gezwungen 6 Uhr abends in die Kalikrates Schlucht aufzubrechen, ohne zu wissen, wo ich nun übernachten könnte.

Ein martialischer E4 Wegzeiger am Eingang der Schlucht

Man konnte den Weg durch die Schlucht nicht verfehlen, aber die Spannung stieg, was mich hier erwarten würde.

Als erstes mal Ziegen, die hier munter in den Felsen herum kletterten.

Aber dann ging es zur Sache. Mit großem Bedauern stellte ich fest, dass hier kein Tropfen Wasser floss. Der trockene Fels der von der Hitze der Sonneneinstrahlung nachglühte.

An besonders heiklen Stellen hatte man den Pfad lauffreundlich gemacht.

Nach gut zwei Stunden öffnete sich die Schlucht und ich konnte das Meer erkennen.

Noch einmal rückten die Wände der Schlucht eng zusammen. Ein kleines Stück kann man die Tiefebene von Frago Kastello sehen.

Aber dann schlängelte sich der Pfad zwischen blühenden Oleanderbüschen endgültig aus der Schlucht heraus.

Kaum hatte ich die Schlucht hinter mir gelassen, da ging ich an einem Friedhof mit einer Kapelle vorbei, deren Eingang einen glasüberdeckten Vorbau hatte. Da es bereits dämmerte und ich noch einige Kilometer bis Frago Kastello hätte laufen müssen, schaute ich mich verstohlen um und verschwand auf dem Friedhof. In dem Vorraum gab es eine perfekte Steinbank, auf der ich mich für die Nacht häuslich einrichtete.

 

In der Nacht wurde ich durch das Heulen des Windes geweckt. Der Wind war so stark, dass er an den Glasscheiben des Grablichts lautstark rüttelte und ich bei dem Geklapper nicht mehr schlafen konnte. Es war schlimm. Ich war müde, denn gestern hatte ich mal wieder über 30 km zurückgelegt und brauchte die Nachtruhe. Finster entschlossen kletterte ich auf das Grab und klemmte Tempotücher hinter die Scheiben. Seelisch litt ich unter meiner Pietätlosigkeit, war aber froh, dass nun Ruhe herrschte.

Am nächsten Morgen entfernte ich die Spuren natürlich und stahl mich verlegen vom Friedhof. Erst jetzt konnte ich mich darüber freuen, dass ich die Südküste Kretas erreicht hatte. Mehr oder weniger sollte jetzt die Wanderung an der Küste entlang weiter gehen.

 

Teil 3 der Wanderung